Schweizerhof Lenzerheide: «Die Bündner kamen zuerst.»

Schweizerhof Lenzerheide: «Die Bündner kamen zuerst.»

Schweizerhof Lenzerheide: «Die Bündner kamen zuerst.»

Seit 2013 im Energie-Modell der EnAW aktiv, hat das Hotel Schweizerhof in Lenzerheide dank grösseren Investitionen in die Lüftung und vielen kleinen Massnahmen seinen Stromverbrauch bereits um 10 bis 15 Prozent reduziert. Durch die Teilnahme profitiert der Betrieb von der Rückerstattung der CO2-Abgabe und investiert diese erfolgreich in zusätzliche Energieeffizienzmassnahmen.

 

Regelmässig tauschen sich EnAW-Moderator Daniel Schneiter (links) und Andreas Züllig über den Erfolg der Energieeffizienzmassnahmen aus.

 

Der Schweizerhof in Lenzerheide: Das sind 83 moderne Zimmer und Suiten, vier Restaurants, Tagungs- und Seminarräume für bis zu 140 Personen sowie das grösste Hotel-Hamam im Alpenraum. Zugleich steht der Name Schweizerhof Lenzerheide für das erfolgreiche Hotelierehepaar Claudia und Andreas Züllig. Vor fast 25 Jahren wurden sie im Schweizerhof aktiv. Seit 2006 haben sie als Eigentümer aus dem einstmals defizitären Betrieb innert kürzester Zeit ein modernes Viersterne-Hotel geformt, das regelmässig zu den besten seiner Art gekürt wird.

 

Hoteliers setzen auf die EnAW

Seit 2013 nimmt der Hotelbetrieb am Energie-Modell der EnAW teil. Für Daniel Schneiter, der über 60 Hotels in der ganzen Schweiz in Sachen Energieeffizienz betreut, ein Glücksfall: «Ich gehe gerne in die Berge. Die Natur ist für unseren Tourismus sehr wichtig. Daher bereitet es mir grosse Freude, Hotels dabei zu unterstützen, Energie einzusparen. Zugleich kann ich den Hoteliers aufzeigen, welche Erfordernisse es von Seiten Bund und Kanton zu beachten gilt. Ich treffe engagierte Leute aus einer spannenden Branche und nicht zuletzt befinden sich meine Kunden häufig in wunderschönen Gebieten.» Auf die Branche spezialisiert hat sich Schneiter eher zufällig. Zwar betreute er bereits ein Hotel rund um Energiefragen. Die Nachfrage sei rasant gestiegen, als Gustav Lorenz, Hotelier, EnAW-Teilnehmer und damals Besitzer einer Grosswäscherei, seine Berufskollegen für die Thematik begeisterte. Er zeigte auf, dass sich Hotels durch den Abschluss einer Universalzielvereinbarung mit der EnAW von der CO2-Abgabe befreien lassen können und zugleich durch betriebliche Investitionen in Energieeffizienzmassnahmen bares Geld sparen. Schneiter erinnert sich: «Plötzlich ging es schnell. Zuerst kamen die Bündner und anschliessend viele Hoteliers aus anderen Kantonen zur EnAW. Schliesslich tauschen sich die Hoteliers über verschiedene Themen regelmässig aus. So entstand auch der Kontakt zu Herrn Züllig, der damals in der Geschäftsleitung von hotelleriesuisse Graubünden Einsitz hatte und Herrn Lorenz tatkräftig unterstützte.»

 

Gewinnbringende Zusammenarbeit

Auch für Züllig ist die Zusammenarbeit mit Schneiter gewinnbringend: «Wir verstehen nichts von der Arbeit eines Ingenieurs und ein Ingenieur kann bei uns in der Küche nichts ausrichten. Da hat jeder seine Kernkompetenz. Herr Schneiter läuft mit anderen Augen durch unseren Betrieb. Während wir prüfen, ob ein Bett richtig gemacht wurde, sieht er sofort, ob an einem Ort unnötig Strom fliesst.» Fündig wird Schneiter an unterschiedlichen Orten. Bei einzelnen Betrieben ist schnell ein Energieeinsparungspotenzial von 25 Prozent ausgemacht. Auch bei Hotels, die wie der Schweizerhof Lenzerheide bereits gut aufgestellt sind, gibt es immer etwas zu tun. So wurden in den letzten Jahren grössere Beträge in die Lüftung und ihre Steuerung investiert. Züllig führt aus: «Unsere neue bedarfsgerechte Lüftung in den Restaurants misst den CO2-Gehalt in der Luft. Je nachdem wie viele Personen im Raum sind, wird die Zu- und Abluft reguliert. Davor hatten wir einen Schalter mit den Stufen null, eins und zwei. Die Routine des Mitarbeiters war es, die Lüftung am Morgen auf Stufe zwei zu stellen, um mal richtig durchzulüften. Häufig wurde der Schalter bis zum Feierabend nicht mehr bewegt – teilweise lief die Lüftung sogar die ganze Nacht weiter.» Alleine durch die neue Steuerung resultierte eine Energieeinsparung bei der Hauptlüftung von 40 bis 50 Prozent.

 

«Wir verstehen nichts von der Arbeit eines Ingenieurs und ein Ingenieur kann bei uns in der Küche nichts ausrichten. Da hat jeder seine Kernkompetenz.»

 

Der Mensch als Störfaktor

Insgesamt konnte das Hotel Schweizerhof seinen Stromverbrauch in den letzten Jahren um 10 bis 15 Prozent senken. Dies in einem schwierigen Umfeld, wie Schneiter betont: «In Hotelbetrieben ist meist kein internes Know-how für Energieeffizienzmassnahmen vorhanden. Mitarbeitende werden beispielsweise in der korrekten Bedienung der Lüftung geschult. Häufig wechseln sie aber den Betrieb und es gibt keine Instanz, die dieses Wissen an die neuen Mitarbeitenden weitergibt, da kein Ingenieur auf der Lohnliste steht. Für den Hotelier hat natürlich der Gast alleroberste Priorität. Als EnAW-Moderator ist es daher meine Aufgabe die Hoteliers fortlaufend zu beraten.» Dies geschah auch bei der zuletzt vorgenommenen Sanierung der Hallenbadlüftung, die mit einem Investitionsbetrag von 200 000 Franken zu Buche schlug. Züllig schätzt dabei auch die produktneutrale Beratung: «Ich konnte Herrn Schneiter einfach fragen, ob die angefragte Firma uns für die Hallenbadlüftung das richtige Gerät, auch hinsichtlich Feuchtigkeit und Chlorgehalt in der Luft, verkaufen möchte. Ohne seine Drittmeinung wären wir dem Anbieter ausgeliefert.»

 

Lenkung ja, Bevormundung nein

Dank dem Abschluss einer Universalzielvereinbarung mit der EnAW wird dem Hotel Schweizerhof die CO2-Abgabe zurückerstattet und es wird auch von den Detailvorschriften des Grossverbraucherartikels im Kanton Graubünden befreit. Der CO2-Abgabe kann Züllig, wie er gesteht, durchaus etwas abgewinnen: «Als Wirtschaftsliberaler darf ich es fast gar nicht sagen. Aber ich finde die Lenkungsabgabe im Vergleich zum früheren Giesskannenprinzip ein sinnvolles Instrument. Durch Investitionen in Energieeffizienzmassnahmen kann ich sofort Geld sparen und werde zusätzlich für meinen Effort durch die Rückerstattung der CO2-Abgabe belohnt. Mittel, die man sofort wieder investieren kann.» In welche Massnahmen das Geld fliesst, mag Laien, so Schneiter, auf den ersten Blick erstaunen: «Viele denken, dass der Wellnessbereich der grösste Energieposten im Betrieb ist. Ein Hamam funktioniert jedoch wie eine Thermoskanne. Sie brauchen die Energie nur, bis der Kaffee heiss ist. Um den Kaffee beziehungsweise das Hamam warm zu behalten, braucht es bei einer guten Isolierung vergleichsweise wenig Energie.» Grosse Potenziale sieht der EnAW-Berater beim Warmwasser und im Lüftungsbereich. Und er ergänzt: «Heute muss ich als Ingenieur den Unternehmen nicht nur die Energieeinsparpotenziale zeigen. Ich muss Betriebe auch durch die behördlichen Auflagen manövrieren. Dabei orientiere ich die Hotels auch, welche Institutionen für Massnahmen zusätzliche Fördergelder sprechen. Ich sehe meine Rolle in der Vermittlung. Und zum Schluss gewinnt auch die Natur von effizienteren Hotels.»

 

www.schweizerhof-lenzerheide.ch

Energiespartipps für Hoteliers

Behalten Sie den Überblick

Viele Systeme in Hotels sind auf die Weihnachts- und Neujahrszeit ausgerichtet und deshalb vielfach suboptimal eingestellt. Sie befinden sich im Dauerbetrieb. Optimieren bedeutet, zuerst die bestehenden Anlagen bedarfsgerecht zu bewirtschaften und anschliessend den Ersatz von alten Anlagen im Rahmen eines Gesamtkonzepts zu planen.


Stellen Sie auf LED um

Mit neuester LED-Technik können im Vergleich zu herkömmlichen Halogen- Lösungen die Beleuchtungskosten um 80 Prozent gesenkt werden, ohne dabei die Ambiance des Betriebs zu beeinträchtigen.


Passen Sie die Lüftungen an

Nicht nur mit dem Rauchverbot haben sich die Anforderungen an die Lüftungen von Räumlichkeiten grundlegend geändert – viele sind heute überdimensioniert. Mit kleinsten Anpassungen können Luftmengen und Betriebszeiten reduziert sowie Strom- und Heizkosten eingespart werden.


Überprüfen Sie Ihre Kälteanlagen

Häufig funktioniert in Betrieben die Abwärmenutzung von Kälteanlagen nicht richtig. Die Boiler, welche die Wärme nutzen sollen, sind voll und die Kältemaschine kann ihre Abwärme nicht abgeben. Die Maschine arbeitet ineffizient – und niemand merkt es.

Unser Beitrag zum Klimaschutz

Wirkung seit 2013

Der Zähler weist die seit dem 1.1.2013 erreichten Energie- und CO2-Einsparungen aus. Diese addieren sich zu den in der ersten Periode erreichten Einsparungen von 1.4 Millionen Tonnen CO2, 6100 Gigawattstunden Gesamtenergieeffizienz und 1300 Gigawattstunden Strom.

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