Interview mit Andreas Züllig: «Ohne Teilnahme bei der EnAW geht Geld verloren.»

Interview mit Andreas Züllig: «Ohne Teilnahme bei der EnAW geht Geld verloren.»

Interview mit Andreas Züllig: «Ohne Teilnahme bei der EnAW geht Geld verloren.»
Oberster Hotelier der Schweiz und Direktor des «Schweizerhofs» in Lenzerheide: Andreas Züllig. Seit 2013 im Energie-Modell der EnAW aktiv.
 
Seit Ihrer Wahl zum Präsidenten von hotelleriesuisse im November 2014 hat der wirtschaftliche Druck auf den Tourismus drastisch zugenommen. Wie bringen Sie Ihre Verpflichtungen als Hoteldirektor und Verbandspräsident unter einen Hut?

Im November wusste ich natürlich nicht, was mich im neuen Jahr erwarten würde. Ich war auf den 15. Januar 2015 schlicht nicht vorbereitet. Im Betrieb kann ich mein Pensum nicht kurzfristig reduzieren. Durch die Doppelbelastung muss ich jetzt einfach durch. Das ist für mich als Hotelier aber nichts Neues. Es kann auch in unserem Betrieb vorkommen, dass plötzlich ein Bus mit 100 Leuten unangemeldet zum Mittagessen erscheinen. Da müssen wir reagieren und in die Hosen steigen. Das ist unser Job.

 

Spüren Sie bereits erste Auswirkungen auf Ihren Betrieb?

Noch geht es uns relativ gut. Die Detonation fand am 15. Januar 2015 statt. Die Druckwelle hat uns noch nicht erreicht, auch wenn wir bereits die ersten Ausläufer spüren. Wir haben gegenüber der Konkurrenz vor der Haustüre auf einen Schlag und ohne eigenes Zutun 15 bis 20 Prozent an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Mit lokal hohen Kosten müssen wir im internationalen Wettbewerb bestehen. Der Sommer wird vermutlich relativ happig. Die Ansprüche an uns und unsere Mitarbeiter sind erneut kräftig gestiegen. In einem schwierigen Marktumfeld müssen wir genügend Umsatz generieren, um weiter die nötigen Investition tätigen zu können.

 

Wie können die Rahmenbedingungen zugunsten der Schweizer Hotellerie verbessert werden?

Der Verband ist gefordert, auf die politischen Rahmenbedingungen einzuwirken. Die einzige Massnahme, die sofort wirken würde, ist die Anbindung des Franken an den viel diskutierten Währungskorb mit Euro und US-Dollar. Die Frage ist, ob die Schweizerische Nationalbank dazu in der Lage wäre. Die Exportindustrie reagiert bereits auf die neue Währungssituation. Unternehmen beginnen damit, die Produktion auszulagern. Das betrifft wiederum Zulieferer und kann eine Kettenreaktion bedeuten. Eine besorgniserregende Situation für die Schweizer Wirtschaft.

 

Welche weiteren politischen Themen stehen bei Ihnen auf der Agenda?

Die Liberalisierung des Marktes ist auf der Wunschliste des Verbands natürlich weit oben. Es kann nicht sein, dass wir in der Schweiz für ein identisches Produkt das Doppelte zahlen, nur weil ein Stecker ausgewechselt oder eine Gebrauchsanleitung neu gedruckt werden muss. Ein Swissness-Zuschlag ist meiner Meinung nach gerechtfertigt. Er darf aber 15 bis 20 Prozent nicht übersteigen. Auch die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative ist relevant für uns. Ich muss wissen: Bin ich noch Eigentümer meiner Liegenschaft oder schränkt der Staat meine Nutzungsmöglichkeiten ein? Unser Betrieb ist heute de-facto in einer Hotelzone. Ich könnte keine Wohnungen mehr aus meinen eigenen Hotelzimmern machen.

 

Sind die Energiekosten Ihres Betriebs für die Wettbewerbsfähigkeit auch ein Thema?

Der Anteil der Energiekosten an den Gesamtkosten beträgt bei uns rund 3 Prozent. Mit fast 50 Prozent sind die Löhne der grösste Kostenblock. Entsprechend versucht man Kostenoptimierungen vielfach zuerst hier vorzunehmen. Dass Energieeinsparungen auch grosse Kosteneinsparungen bringen, wurde in der Hotellerie lange unterschätzt. Ein Prozent weniger Gesamtkosten: Rechnen Sie mal aus, wie viele Kaffees ich zusätzlich verkaufen müsste, um die Energieeinsparungen auf diesem Weg reinzuholen. Einfacher können wir das Geld nicht verdienen. Aber: Zuerst müssen wir hierfür investieren.

 
Mit dem grössten Hotel-Hamam im gesamten Alpenraum bietet das Hotel Schweizerhof Lenzerheide auf rund 1500 Quadratmetern energieeffiziente Erholung und Entspannung.

 

Seit 2013 sind Sie Teilnehmer bei der Energie-Agentur der Wirtschaft. Wie kam es dazu?

Wir sind sehr ökologiebewusst in unserem Betrieb. Regionale Produkte, wenig Abfall und kurze Transportwege sind wichtige Themen für uns. Seit mittlerweile 15 Jahren sind wir ökozertifiziert. Lange dachten wir, dass die EnAW nur für energieintensive Unternehmen wie beispielsweise die Zementindustrie, aber nicht für die Hotellerie ein Thema ist. Dass wir Geld verlieren, wenn wir nicht bei der EnAW mitmachen, hat uns Hotelier Gustav Lorenz mit seinem Projekt Leuchtturm gezeigt.

 

Wie hat er das geschafft?

Mittlerweile machen fast 100 Bündner Hotels beim Projekt Leuchtturm mit, um ihren Energieverbrauch und ihren CO2-Ausstoss in Zusammenarbeit mit der EnAW zu senken. Gustav Lorenz sagte zu mir: Hier hast du symbolisch einen Scheck über 40000 Franken. Willst du den? Selbstverständlich sagte ich ja. Als er mir zeigte, was ich für die 40000 Franken tun muss, war sofort klar für mich, dass sich eine Teilnahme bei der EnAW lohnt. Mit dieser Argumentation konnte er einen Hotelier nach dem anderen überzeugen. Klar muss man zuerst investieren, Ziele festlegen und diese auch erreichen. Aber alleine schon etwas Gutes für die Umwelt zu tun, macht Freude. Dies dem Gast zeigen zu können, der ja auch wegen der schönen Natur kommt, hat auch einen Wert.

 

Verschaffen Sie sich bei Ihren Gästen Gehör bezüglich des Umweltschutzes?

Wir setzen unsere Massnahmen um, um unseren Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Wir haben jedoch keine erzieherische Funktion. Unser Gast muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn er zwei Badetücher benutzt. Das ist nicht unsere Aufgabe. Wenn ich mit dem Flugzeug in die Ferien reise, ist der ökologische Fussabdruck grösser. Wir setzen unsere Massnahmen im Hintergrund um und schulen unsere Mitarbeitenden. Das zeigen wir unseren Gästen bei einem Ökologierundgang durchs Haus. Kann man daraus schlussfolgern, dass die Mehrheit Ihrer Gäste aus der Schweiz kommt? 90 Prozent unserer Gäste sind aus der Schweiz, vorwiegend aus der Ostschweiz und dem Raum Zürich. Gerade unser Wellnessbereich zieht jüngere Paare an, die sich ein Wochenende in den Bergen gönnen. Aber auch Familien mit Kindern kommen gerne. Ein grosser Teil unserer Gäste sind Stammgäste. Wir bieten augenscheinlich eine Hotellerie, die für viele Gästesegmente stimmt – nicht zuletzt auch für Seminargruppen, die hautsächlich in der Zwischensaison unsere Infrastruktur nutzen.  

 

Spielen Onlinebuchungs- und Bewertungsplattformen für die Auslastung Ihres Hotels eine Rolle?

Bewertungsplattformen sind für die Hotellerie mittlerweile ein wichtiges Marketingtool. Wenn auf einer Plattform die gleichen Punkte in einem Hotel mehrfach negativ bewertet werden, dann überlegen sich die Gäste ziemlich schnell, ob sie hier buchen. Wenn sie wiederum sehen, dass die Qualität stimmt, darf es auch etwas teurer sein. Diese neue Form der Transparenz ist eine grosse Herausforderung. Zugleich braucht es Sterne. Sie sind ein Gütesiegel, das dem Kunden garantiert, was er bekommt.

 

Gibt es Herausforderungen, die weniger publik sind, die der Gast jedoch nicht unterschätzen sollte?

Die Kurzfristigkeit der Buchungen hat zugenommen. Wenn die Gäste sehen, dass das Wetter am Wochenende schön ist, kommen sie. Ist das Wetter schlecht, bleiben sie zu Hause. Zugleich fragen sie auf dem Internet den Pistenzustand ab. Unser Business wird sozusagen online abgebildet. Die Qualitätsansprüche sind massiv gestiegen. Das Verständnis dafür, dass unsere Dienstleistungsbereitschaft auch etwas kostet, ist zurückgegangen. Ich weiss meistens nicht, wie viele Leute bei uns auf der Terrasse Mittag essen. Trotzdem muss ich immer genug Personal bereitstellen, um eine erstklassige Serviceleistung zu garantieren. Diese Bereitschaftskosten schlagen sich natürlich auch in unseren Preisen nieder.

 

www.schweizerhof-lenzerheide.ch

Andreas Züllig

Andreas Züllig absolvierte die Hotelfachschule in Lausanne. Er arbeitete zehn Jahre in der internationalen Hotellerie, zuletzt als Vizedirektor des Swissôtel Zürich. Zusammen mit seiner Frau Claudia ist er seit 1991 Gastgeber und seit 1994 Eigentümer des Hotels Schweizerhof Lenzerheide. Im November 2014 wurde er zum Präsidenten des Branchenverbands hotelleriesuisse gewählt.

Unser Beitrag zum Klimaschutz

Wirkung seit 2013

Der Zähler weist die seit dem 1.1.2013 erreichten Energie- und CO2-Einsparungen aus. Diese addieren sich zu den in der ersten Periode erreichten Einsparungen von 1.4 Millionen Tonnen CO2, 6100 Gigawattstunden Gesamtenergieeffizienz und 1300 Gigawattstunden Strom.

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